Auf Moschusochsen-Safari im Aulavik National Park

Auf Moschusochsen-Safari im Aulavik National Park

Hoch im Norden, am äußersten Rand der Landkarte, liegt auf einer Insel, die so groß ist wie Irland, aber nur 112 Einwohner zählt, der wohl idyllischste Nationalpark der Welt. Der Aulavik National Park begeistert mit den üppigen Ebenen der nördlichen Banks Island und ist mit seinen kristallklaren Flüssen, zotteligen Moschusochsen, brütenden Vögeln, altertümlichen Artefakten und jeder Menge weiterer Besonderheiten ein arktisches Paradies. Wir verraten gerne, warum...

Der nimmermüde Thomson River gilt weithin als der nördlichste befahrbare Fluss. Auch wenn er nur als winziger Tropfen Eiswasser in den kahlen Hochebenen von Banks Island geboren wird, so nimmt er  auf seinem 160 km langen Weg Richtung Norden durch eine weite, sanfte, baumlose und totenstille Landschaft doch reichlich Schmelzwasser auf, bevor er sich schließlich in den Arktischen Ozean ergießt. Den größten Teil seiner Strecke legt er durch das Herz des Aulavik National Parks zurück und bietet dabei einen sanften Wasserweg (ohne Stromschnellen oder Portagen), auf dem Kanuten und Kayaker die Schönheit des Parks genießen können. Paddler benötigen in der Regel drei Wochen, um den Fluss zwischen der südlichen Parkgrenze und Castel Bay an der historischen M’Clure Strait hinunterzufahren. Die beste Zeit für eine Paddeltour ist von Ende Juni bis Ende Juli, wenn nach einsetzendem Tauwetter der Schmelzwasserabfluss des Frühlings genutzt werden kann. 

Ein Besuch des Aulavik National Parks gleicht einer Moschusochsen-Safari! Die Huftiere aus der Eiszeit versammeln sich hier in verblüffend hoher Zahl. Die bei den Inuit als Umingmak bekannten 600-Pfünder gehören zur Familie der Schafe und liefern die Qiviut – die wärmste Wolle der Welt. Wissenschaftler schätzen, dass etwa zwei Drittel des weltweiten Bestandes an Moschusochsen auf Banks Island zu Hause ist, davon eine große Zahl – immerhin mehr als 10.000 Exemplare – im Aulavik National Park. Das Flusstal des Thomsen River bietet den Tieren ein besonders nahrhaftes Weideland, in dem sie die Paddler stets im Blick haben. Obwohl sie normalerweise friedlich und gelassen sind, haben Moschusochsen furchterregende Hörner und einen entschlossenen Charakter, so dass man sich ihnen besser nicht nähern sollte.

Der Aulavik National Park hat keine Wanderwege. Er benötigt auch gar keine: Die Landschaft ist offen und einladend und bietet lange Sichtlinien und nur wenige natürliche Barrieren. Wanderer können in jede beliebige Richtung losmarschieren und dabei das kontinuierliche Tageslicht des Sommers, eine mit farbenfrohen Wildblumen überzogene Tundralandschaft, eine üppige Vogelwelt, häufige Sichtungen von Moschusochsen und gelegentliche archäologische Stätten der Inuit  genießen.

Auch wenn es im Aulavik National Park keine Bäume gibt, ist er jedoch keinesfalls mit Ödland gleichzusetzen!  Obwohl die höchsten Pflanzen knöchelhohe arktische Weiden sind, gleicht die Landschaft im Sommer einem farbenfrohen Quilt, gezeichnet von mehr als 150 Arten blühender Pflanzen, die durch das dauerhafte Tageslicht regelrecht zu glühen scheinen. Wanderer und Paddler dürfen sich über schimmernde Felder aus leuchtend rotem Steinbrech, strahlend gelber Arnika, zarten arktischen Rosen, hellen Büscheln aus haarigem Läusekraut, flauschiger arktischer Baumwolle und flaumigen Weidenkätzchen freuen. Nach Süden ausgerichtete Hänge scheinen ganz besonders intensiv. Allerdings muss man zur rechten Zeit am richtigen Ort sein: Bereits Mitte August sind die meisten Pflanzen verblüht und bereiten sich auf den Beginn des Winters vor, der nur noch wenige Wochen entfernt ist.

Für einen Fluss, der sich 600 Kilometer nördlich des Polarkreises befindet, verfügt der Thomsen River über eine bemerkenswerte Vielfalt an Fischen. Sechs Süßwasserarten nennen den Fluss ihr Zuhause: Seeforellen, zwei Maränenarten, Neunstachliger Stichling, Vierhörniger Seeskorpion und vor allem Seesaibling. Der Fluss ist ein wichtiges Laichgebiet und Lebensraum für den saftigen Saibling, der sogar in den größeren Seen des Nationalparks gefunden werden kann, wie beispielsweise dem Nangmagvik. Angler müssen allerdings über eine gültige Angellizenz für den Nationalpark verfügen.

Etwas außerhalb des Aulavik National Parks liegt in der Mercy Bay östlich des Thomsen River eines der wichtigsten Schiffswracks der Arktis. Die HMS Investigator erreichte im Jahr 1850 unter dem Kommando von Robert M'Clure im Rahmen der umfangreichen Suche nach der Franklin Expedition arktische Gewässer. Hier, nur 150 Meter vor der Nordküste von Banks Island, wurde das Schiff im Eis eingeklemmt und sank schließlich. Am nahegelegenen Ufer verblieben Fassdauben, Kohlenhalden und Artefakte aus Metall. Das Schiff selbst wurde erst im Jahr 2010 durch Taucher von Parks Canada Divers wiederentdeckt. Es steckt, noch nahezu völlig intakt, nur acht Meter unter der Wasseroberfläche aufrecht im Schlick.

 

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