Auf Wildlife Safari in den Northwest Territories

Auf Wildlife Safari in den Northwest Territories

Northwest Territories…. Das klingt nach ursprünglicher Wildnis und Abenteuer pur. Stetiger Begleiter auf einer Reise durch Kanadas hohen Norden sind die hier einheimischen (wilden!) Tiere, die allerorts frei umherstreifen. Immerhin leben in den NWT rund 10.000 Schwarz- und Grizzly-Bären, 6.000 Polarbären, 700.000 Karibus, 8.000 Bisons und 85.000 Moschusochsen… Ob im Rahmen einer geführten Tour mit ortskundigem Guide oder durch die Fensterscheibe des Wohnmobils. Stets heißt es: Augen auf und allzeit bereit für die Tierbegegnung Deines Lebens!

Der Tank unseres Wohnmobils ist voll, die Vorräte sind aufgefüllt und – last but not least – Fernglas und Kamera liegen griffbereit. Wir sind unterwegs zum Wood Buffalo National Park im Südosten der Northwest Territories. Der Park, der sich über die Provinzgrenze hinaus bis nach Alberta erstreckt, ist der größte Nationalpark Kanadas und der zweitgrößte weltweit. Im Jahr 1922 wurde er u.a. zum Schutz der der letzten Waldbisons der Region gegründet. Die wunderbare boreale Landschaft des Parks mit ihren endlosen Seen und Sümpfen zieht uns kolossal in ihren Bann. Den Tieren scheint es genauso zu gehen: Denn rund 300 Tierarten nennen den Wood Buffalo National Park ihr Zuhause, davon ca. 250 Vogelgattungen. Tausende von Zugvögeln überqueren die Region zweimal im Jahr auf ihren Flügen in die Sommer- bzw. Winterquartiere. Rund 6.000 Bisons leben heute im Park und bilden die größte frei lebende Gruppe weltweit. Es dauert nicht lange und wir entdecken einige prachtvolle Exemplare auf einer Lichtung! Schon seit meiner Kindheit träume ich davon, diesen friedlichen Giganten einmal persönlich zu begegnen. Immerhin erreichen die männlichen Bisons mit ihrem mächtigen Brustkorb eine Länge von bis zu 3,80 m und ein Gewicht von stolzen 900kg und sind somit die größten Landsäugetiere Nordamerikas. Wir verweilen einen Moment und schauen den Tieren beim Grasen zu. Kaum zu glauben, dass sich diese bulligen Riesen rein vegetarisch ernähren. Aber auch irgendwie beruhigend …

Kaum dass wir den Wood Buffalo National Park in östlicher Richtung verlassen, stoßen wir auch schon auf die nächsten tierischen Gesellen. An den Wildwasser-Stromschnellen des Slave River zwischen Fort Smith und Fort Fitzgerald lebt in den Sommermonaten eine draufgängerische Kolonie an Nashornpelikanen. Normalerweise nistet und brütet diese Vogelart an ruhigen Seen und Teichen und nicht an so ungestümen Standorten wie diesem. Majestätisch ziehen die großen Vögel ihre Kreise über dem Slave River oder schnappen mit ihren riesigen Schnäbeln Fische aus dem wilden Gewässer.

Unsere Weiterfahrt nach Norden führt uns durch das „Great Slave Gateway“, die Region rund um den Großen Sklavensee. Entlang der Strecke können wir Schwarzbären und Elche sehen. Wir haben gelernt, bei unseren Wandertouren nach frischen Hinterlassenschaften Ausschau zu halten – ein erfolgsversprechendes Unterfangen! Auch Luchse, Füchse, Biber und Waldkaribus sind in dieser Region zu Hause, stets begleitet von den gefräßigen Wölfen. Wölfe gibt es generell sehr zahlreich in den Northwest Territories. Sie sind der Hauptfeind der Karibus und begleiten diese auf ihrer Reise durch das Land.

Im Frühjahr gibt es in den NWT übrigens ein Karibu-Ereignis der ganz besonderen Art: Riesige Gruppen von Barren-ground Karibus legen bei ihrer alljährlichen Wanderung durch die Barren Lands hunderte von Kilometern zurück, um die Geburtsstätten ihrer Jungtiere im Norden zu erreichen. Pro Tag schaffen sie dabei Strecken von bis zu 50 km. In den Barren Lands, wo sich die baumlose Tundra des nördlichen Festlands erstreckt, sind die Tiere in dieser Zeit sehr gut zu beobachten.

Die beste Möglichkeit, die Tierwelt der Mackenzie Mountains zu erleben, bietet sich im Rahmen eines Abstechers in den Nahanni National Park, einem der schönsten Parks Nordamerikas. Wir wählen das Städtchen Fort Simpson als Ausgangspunkt für unseren Ausflug, denn ab hier werden Flightseeing-Touren mit dem Wasserflugzeug angeboten – neben dem Boot übrigens das einzige Verkehrsmittel, mit dem man in den Park gelangen kann. Unser Pilot fliegt direkt an den imposanten Virginia Falls und den tiefen Schluchten vorbei, die das Landschaftsbild des Parks prägen. Aus der Luft entdecken wir jede Menge Waldkaribus sowie die wuseligen Dallschafe und Bergziegen, die stets auf der Flucht zu sein scheinen. Der Bestand an Bergziegen liegt in den nördlichen Gebieten übrigens nur noch bei etwas unter 1.000 Tieren. Kurz vor unserem Rückflug nach Fort Simpson landen wir noch einen Volltreffer: unter uns streifen zwei Grizzly-Bären durch das Gras!

Unser nächstes Ziel heißt Arktis! Gemeinsam mit einem ortskundigen Veranstalter – einem sogenannten „Outfitter“ – möchten wir die arktische Tierwelt erkunden. Mit dem Flugzeug geht es nach Banks Island, die westlichste von Kanadas Arktischen Inseln und Standort des völlig abgeschiedenen Aulavik National Parks. Hauptattraktion sind hier definitiv die Moschusochsen! Man schätzt, dass auf Banks Island über 68.000 der bulligen Tiere leben. Vor rund 90.000 Jahren kamen sie aus Sibirien nach Nordamerika … und haben ihren prähistorischen Look seither kaum verändert. Wir sind ganz hingerissen von den haarigen Zotteltieren! Die Moschusochsen teilen sich das Land mit Peary Karibus – es gibt sie wirklich überall in den NWT! - sowie Polarwölfen und –füchsen. Entlang der Nordküste des Parks leben außerdem zahlreiche maritime Säugetiere wie Eisbären, Ringel- und Bartrobben sowie Beluga- und Grönlandwale. Auch zwei Schutzgebiete von Zugvögeln befinden sich auf der Insel. Fast 500.000 Schneegänse brüten hier Jahr für Jahr! Was für ein Geschnatter….

Egal welcher Teil der Northwest Territories auf dem Reiseprogramm steht – mit einer geführten Tierbeobachtungs-Expedition eines ortskundigen „Outfitters“ liegt man sicherlich immer richtig! Die Guides kennen die besten Beobachtungszeiten und –posten und können jede Menge Hintergrundinfos liefern. Nicht minder wichtig ist die Tatsache, dass Sicherheit und ein verantwortungsvolles Verhalten bei Begegnungen mit den wild lebenden Tieren für sie oberste Priorität haben. Denn wie heißt es so schön?

„Take nothing but pictures, leave nothing but footprints, kill nothing but time.”

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