Der unsagbar(e) wilde Nááts’ihch’oh

Der unsagbar(e) wilde Nááts’ihch’oh

Zugegeben, ein bisschen Abenteuerlust sollte man schon verspüren, wenn man den Nááts’ihch’oh National Park in den Northwest Territories besuchen möchte. Hier, hoch oben im Norden Kanadas, herrscht Wildnis pur. Menschenleer und atemberaubend. Keine Infrastruktur, keine Straßen, keine ausgewiesenen Wanderwege. Genau das Richtige für Wildnis erprobte Outdoor-Freaks!

Er ist der jüngste Nationalpark der Northwest Territories. Erst im Jahr 2012 wurde der Park mit dem unaussprechlichen Namen Nááts'ihch'oh (sprich: „Naats-each-choh“) in Zusammenarbeit mit den hier beheimateten First Nations offiziell zum ausgewiesenen Naturschutzgebiet erklärt. Er gehört zum traditionellen Land der Shúhtagot’ine, d.h. der Dene Indianer aus den Bergen der Sahtu Region. Das Gebiet des Parks ist ihr Geschenk an die Menschheit. Als Park-Zentrale wurde das außerhalb liegende Tulita gewählt. Der am Zusammenfluss von Mackenzie River und Great Bear River gelegene Weiler kann im Sommer nur auf dem Wasserweg erreicht werden. Der einzige Zugang auf dem Landweg ist eine Eisstraße ab Wrigley, die nur im Winter befahrbar ist.

Benannt nach dem gleichnamigen Berg Mount Nááts’ihch’oh, stammt der Name des Parks aus der Sprache der Shúhtagot’ine. Er bezieht sich auf die einzigartige Kontur des Berges – scharfkantig und spitz zulaufend wie der Stachel eines Stachelschweines. Die First Nations glauben, dass der Nááts’ihch’oh ein Ort starker spiritueller Kraft ist, die an neugeborene Kinder weitergegeben werden kann. Einst haben sich ihre Vorfahren hier auf den langen Reisen durch den Norden zur Rast niedergelassen, um Nááteho zu treffen, den Propheten des Nahanni.

Der fast 5.000 km2 große Nááts’ihch’oh National Park schützt eine Landschaft voll gezackter Berge, ruhiger Seen, ungezähmter Flüsse und wilder Tiere, die noch nie zuvor ein menschliches Wesen zu Gesicht bekommen haben. Er grenzt direkt an den Nahanni National Park, welcher erst im Jahr 2009 signifikant vergrößert worden war. Zusammen schützen die beiden Parks nun rund 86% des gesamten Wassereinzugsgebiets des South Nahanni River, einem der größten wilden Flüsse unseres Planeten. Dieser ist als einer der besten Kajak-Reviere der Welt bekannt. Die Paddelsaison dauert

hier von Mitte Juni bis Mitte September. Wer früh im Sommer kommt, kann sich dank Mitternachtssonne über nahezu 24 Stunden Tageslicht freuen! Ab Mitte August steigen dagegen die Chancen, am klaren Nachthimmel Polarlichter zu sichten.

Der Nááts’ihch’oh ist bisher so gut wie nicht erschlossen – eine gute Nachricht für unerschrockene Besucher, die bereit sind für ein echtes Wildnis-Abenteuer! Am besten lässt sich der Park per Kanu oder Kajak erobern, zumindest für erfahrene Paddler. Denn ausreichende Fertigkeiten im Wildwasser-Paddeln, im Lesen der Flusslinien sowie bei der Wildwasserrettung sollte man schon besitzen, um die anspruchsvollen Gewässer der Region zu bewältigen. Alternativ kann man natürlich eine geführte Tour mit einem der örtlichen Outfitter in Erwägung ziehen. Der Gedanke an den South Nahanni River lässt so manches Paddler-Herz höher schlagen! Seine legendären Rock Gardens umfassen auf rund 50 km Länge die anspruchsvollsten Wildwasser-Stellen im Oberlauf des sagenumwobenen Flusses. Doch auch Natla und Keele, die sich aus dem blau glitzernden O’Grady Lake speisen und über 500 km in Richtung Norden und Osten durch ein wahres Königreich aus Gipfeln und Canyons stürzen, bieten fantastische Paddel-Erlebnisse. Last but not least gibt es schließlich noch den bedrohlich klingenden Broken Skull River – den „Gebrochenen Schädel“ − der entgegen aller Vermutungen eher sanft daher fließt und über 150 km spritzigen Spaß in reizvoller Natur verspricht.

Genau wie die Paddler, müssen sich auch Wanderer mit einem in Fort Simpson oder Norman Wells gecharterten Wasserflugzeug in den Park bringen und auf einem der vielen Gebirgsseen absetzen lassen. Am besten eignet sich dafür der Margaret Lake, der Divide Lake und – vielleicht als bester von allen – der Grizzly Bear Lake, der einen perfekten Zugang zu einer Wunderwelt aus Bergwiesen bietet und für alpine Abenteurer „the place to be“ ist im Nááts’ihch’oh National Park. Entlang der Gebirgsbäche erreicht man die zahllosen Gipfel, inklusive dem höchsten Berg des Parks im Süden des Grizzly Bear Lake, der – wie die meisten anderen – noch keinen Namen trägt. Wanderwege sucht man im Nááts’ihch’oh vergeblich. Jeder, der sich als Pionier und Pistensucher versuchen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten!

Wer glaubt, dass Abenteuer im Hinterland Verzicht auf Annehmlichkeiten bedeutet, liegt hier völlig falsch! Der Nááts’ihch’oh ist gespickt mit heißen Quellen, in denen sich erschöpfte Wanderer und Kanuten stundenlang aalen können. Die Broken Skull Hot Springs liegen beispielsweise nur eine 2,5 km lange Wanderung vom Broken Skull River entfernt und sind ein perfekter Ort der Erholung. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und umgeben vom Duft der frischen Bergluft. Rund 10 km dauert der Marsch zu den Grizzly Bear Hot Springs, eine alpine Oase, die mit Wildblumen und Hügeln aus Tuffstein umgeben ist.

Weitere Infos über den Nááts’ihch’oh National Park gibt es auf der Website von Parks Canada unter www.parkscanada.gc.ca/naatsihchoh. Hier kann auch der neue deutschsprachige Reiseplaner heruntergeladen werden, der u.a. Adressen der örtlichen Outfitter und Tourenführer beinhaltet. Der Nááts’ihch’oh ist ein brandneuer Nationalpark. Nur wenige Gruppen sind bisher auf dem Broken Skull River gepaddelt. Parks Canada freut sich daher über jeden Erlebnisbericht mit Fotos und GPS Daten, die helfen, die Reiseinformationen für dieses Stück nordamerikanischer Wildnis zu verbessern – werden Sie Teil des Abenteuers! 

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